Die Quelle

Kostbarkeiten

Wasser ist unser Lebenselexir – es wird Kriege darum geben.

Mai 2011
Trocken – bläst der Wind
Staubig – rinnt der Bach
Wasser – gibts nur tief
Wie lange noch?

Langsam, Schritt für Schritt geht sie die Furche entlang, die Rute gerade vor sich und mit voller Konzentration. Ihre Kapuze hat sie tief ins Gesicht gezogen damit die tief stehende Sonne sie nicht blendet. Hier unten im Grund des großen Grabens ist es noch heißer als auf der Ebene, über die ab und zu ein leichter Wind geht. Eine kleine Eidechse huscht an ihr vorbei. Aufmerksam verfolgt sie deren Weg. In angemessener Entfernung verharrte die Echse regungslos auf einem Stein. Die flirrende Luft scheint zu stehen. Ira wendet sich wieder ihrem Weg zu. Diese kurze Zeitspanne von weniger als 2 Stunden kurz vor dem Sonnenuntergang, ist die Zeit in der die größte Chance auf Erfolg besteht und den braucht sie dringend. Die Siedler warten nun schon mehr als einen Mond darauf und würden sich sicherlich nicht länger vertrösten lassen.

Nur ja keine Schwingung unbemerkt lassen, keine Regung, keinen Ausschlag verpassen. Selbst wenn es nur ein Rinnsal ist, das tief unten läuft, sie muss es finden. Einst soll hier ein großer Strom geflossen sein. So sagt es die Legende. Dann spuckte der Marlaak im Süden feurige Steine in das Bett des Stroms und der Strom versiegte. Es gibt Stimmen die sagen der Strom wäre nicht versiegt, er wäre nur in die Tiefe der Erde getaucht
und käme an anderer Stelle wieder hervor.
Seid Generationen haben die meisten Frauen in ihrer Familie diese Gabe, dieses Gespür für Wasser. Ihre Mutter war darin sogar eine Meisterin. Leider war sie viel zu früh gestorben und konnte ihre Tochter nicht mehr richtig anleiten. Allerdings hatte sie nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie überzeugt war, dass ihre Tochter die Gabe auch hat. Woher sie diese Sicherheit nahm weiß niemand. Nun muss Ira aus dem wenigen, dass sie als Kind aufgenommen hatte, ihren eigenen Weg finden. An eines kann sie sich aber noch sehr gut erinnern: Ihre Mutter suchte am liebsten nach dem großen Regen. Dann, so sagte sie, wären die unterirdischen Adern voll und das Wasser deutlicher zu spüren. Da der große Regen in diesem Jahr aber bereits über zwei Monde auf sich warten lässt und das Wasser fehlt, blieb ihr nichts anderes übrig, als auf Suche zu gehen. Auch wenn sie Angst hat zu versagen. Wie würde das Dorf es aufnehmen? Würden Sie sie davon jagen? Nein, wohl kaum, aber ihre Unabhängigkeit würde sie bestimmt verlieren. Ohne die Gabe wäre sie nur eine, nicht einmal sonderlich hübsche, junge Frau im heiratsfähigen Alter, wie viele andere auch.

Tief in ihre Gedanken versunken, hat sie Mühe das leichte Zittern der Rute einzuordnen. Ist es ihre Angst vor dem erneuten Scheitern oder ist dieses Vibrieren ein Ausschlag? Sie atmet tief durch und hält die Rute ganz leicht. Doch! Es ist ein leichter Ausschlag. Schnell nimmt sie den Spaten und gräbt. Nach etwa einem halben Meter wird der Boden dunkler. Sie nimmt eine handvoll davon, reibt ihn und riecht an ihm. Ihr Herz schlägt schneller. Ja! Da ist eine leichte Feuchtigkeit. Nicht viel, aber genug für sie um es wahrzunehmen. Sie gräbt weiter und stößt nach wenigen Spatenstichen auf Widerstand. Ein Stein? Sie gräbt daneben ? das gleiche und zur anderen Seite ebenso. Nach und nach legt sie das Hindernis frei. Seltsam rund ist es und gleichmäßig geformt. Glatt und doch auch mit seltsamen gleichmäßigen Riefen durchzogen, fast wie Nähte. Sie berührt diesen merkwürdigen Stein. Es ist eindeutig, er ist leicht feucht. Jetzt braucht sie Hilfe, denn das Ding ist zu hart für sie, um allein und nur mit dem Spaten weiter zu kommen. Sie sucht mehrere große Steine zusammen und türmt sie in dem Loch auf. Auf dem Heimweg merkt sie sich noch genau den Weg zu der Grabungsstelle. Morgen würde sie mit einigen Leuten aus dem Dorf wieder kommen um weiterzugraben, und sie betet: Heilige große Mutter! Lass es eine richtige Quelle sein?

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